Veröffentlichungen

Sechzehnte Pressemitteilung seitens der hungerstreikenden iranischen Asylbewerber in Würzburg (Bayern, Deutschland)

Wir befinden uns nun seit 7 Tagen erneut im verschärften Hungerstreik.In Anbetracht der Tatsache, dass die Wiederaufnahme des Hungerstreik zwei Tage vor den ersten Antworten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge stattgefunden hatte, beschlossen die vier nun anerkannten Flüchtlinge ihren Hungerstreik wieder auszusetzen. Hiermit wollen sie ein positives Zeichen gegenüber dem Bundesamt für die schnelle Reaktion nach dem Neubeginn des Hungerstreiks setzen. Zwei weitere Flüchtlinge setzen auf dringendes ärztliches Anraten ebenfalls den Hungerstreik aus, bleiben jedoch trotzdem solidarisch vor Ort. Die vier übrigen Flüchtlinge, Hassan Hosseinzadeh, Arash Dosthossein, Mohammad Hassanzadeh und Armin Jahanizadeh setzen den Hungerstreik fort, damit das Bundesamt auch sie unverzüglich als politische Flüchtlinge anerkennt.In den nächsten Tagen werden erneut Planungen zum weiteren Ablauf des Hungerstreiks gemacht und auch eine weitere Demonstration für eine Verbesserung der Situation von Asylbewerbern vorbereitet. Genauere Informationen werden nächste Woche bekannt gegeben. Wir danken unseren Freund/innen und Unterstützer/innen.

Die Iraner im Hungerstreik.

Unsere früheren Pressemitteilungen kann man am unteren Marktplatz oder auf unserer Website lesen.

Kontaktpersonen: Masoud Hosseinzadeh Tel: 0176 77 00 90 92 , Shahnaz Morattab Tel: 0157 74 65 01 86

E-Mail: GUStreik@web.de        Websites: http://facebook.com/GUStreik     http://gustreik.blogsport.eu

 

Rede am 1. Mai

Hallo liebe Wuerzburgerinnen und Wuerzburger,

wir, die iranischen Fluechtlinge freuen uns, dass ihr alle an diesem 1.Mai auf der Strasse seid. Wir kaempfen seit mehr als einem Monat hier in der Innenstadt offensiv fuer unsere Anerkennung als politische Fluechtlinge und fuer Menschenrechte.

Wir kommen aus einem Land in dem der erste Mai als Feiertag verboten ist und jegliche Versuche der Arbeiterinnen und Arbeiter diesen als politischen Protesttag zu feiern brutal unterdrueckt werden. Jede Art des friedlichen Protests der Menschen wird mit Verfolgung,Gefaengnis, Folter bis hin zur Todesstrafe bestraft.

Wir sind iranische Oppositionelle, die jahrelang gegen die islamische Regierung gekaempft haben und somit unser Leben in Gefahr gebracht haben. Aus diesem Grund sind wir aus dem Iran gefluechtet und suchen nun hier Asyl.

Mit der Unterstuetzung der Wuerzburger Bevoelkerung ist es am 4.April zu einem Gespraech mit den Verantwortlichen des Bundesamtes fuer Migration und Fluechtlinge und der bayerischen Landesregierung gekommen. In diesem wurde uns die Bearbeitung von 3 Asylantraegen innerhalb von 3 Wochen zugesagt. Bisher haben wir jedoch kein Ergebnis erhalten. Deshalb geht der Kampf weiter. Nach einem ersten Hungerstreik ueber 17 Tage sind wir gestern wieder in Hungerstreik getreten.

Wir hoffen, dass ihr, die Organisatorinnen und Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ersten Mai Protests in Wuerzburg, euch solidarisch mit uns zeigt und unsere Forderungen unterstuetzt.

Wir fordern:

-unsere Anerkennung als politische Fluechtlinge

-die drastische Verkuerzung der Bearbeitungsdauer der Asylantraege

-Die Einfuehrung eines Anspruchs auf Anwaeltinnen und Dolmetscherinnen von Beginn des Asylverfahrens

-Gewaehrung der freien Arztwahl

-die Moeglichkeit der Familienzusammenfuehrung

-Arbeits- und Studienerlaubnisse fuer alle Asylbewerberinnen

-Abschaffung der Gemeinschaftsunterkuenfte

-Abschaffung der Residenzpflicht

-Abschaffung der Essenspakete

-Einfuehrung eines Anspruchs auf professionelle DeutschkurseUm den Kampf fuer diese Forderungen fortfuehren zu koennen benoetigen wir auch finanzelle Unterstuetzung, daher bitten wir sie an unserem Pavillon oder auf folgendes Konto zu spenden:

Spendenkonto: Manuel Brandenstein, Sparkasse Mainfranken Würzburg, BLZ: 79050000,

Konto: 47031729, Verwendungszweck: Iranischen Flüchtlinge im StreikVielen Dank!

Hoch die internationale Solidaritaet!

 


auf Youtube anschauen

 

Demo: Feierkomitee 8. Mai Bamberg

Am 8. Mai 2012 findet in Bamberg in Gedenken an den 8. Mai 1945, Tag der Befreiung, unter dem Motto “wer nich feiert, hat verloren” eine Demo mit anschließender Vokü zugunsten der hungerstreikenden Iraner in Würzburg statt.

Die Demo beginnt um 18.00 Uhr am Bahnhofsvorplatz Bamberg.

 

Fahnen und Transparente dem Motto entsprechend sind erwünscht, Parteifahnen sind eher unerwünscht.

 

geplante Route:

-Luitpoldstr.

– Obere Königstr.

– Kettenbruecke

– Hauptwachstr.

– Grüner Markt

– Lange Str.

– Kapuzinerstr.

– Markusplatz

 

Falls Schlafplätze benötigt/gewünscht werden meldet euch unter: feierkomiteebamberg@web.de

 

Fünfzehnte Pressemitteilung seitens der streikenden iranischen Asylbewerber Würzburg(Bayern, Deutschland)


Wir befinden uns nun seit 5 Tagen erneut im verschärften Hungerstreik.

 

Nach mehr als eineinhalb Monaten Protest in Würzburg hat dass Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gestern mitgeteilt, dass 3 von uns Hungerstreikenden als politisch Asylsuchende anerkannt worden sind. Bereits vor dem runden Tisch mit dem BAMF erhielt ein Asylsuchender seine Anerkennung, womit insgesamt nun 4 von uns eine Anerkennung erhalten haben.

 

Wir begrüßen diese Entscheidung, betonen jedoch erneut, dass der Kampf um die Anerkennung solidarisch von allen gemeinsam weitergeführt wird, auch Soheil Hatamikia, der aus gesundheitlichen Gründen und auf dringendes Anraten der Ärzte den Hungerstreik abbrechen musste, protestiert gemeinsam mit den Hungerstreikenden am Marktplatz weiter.

 

Wir hoffen, dass das bayrische Landesverwaltungsgericht dem Beispiel des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge folgen wird und die in ihren Zuständigkeitsbereich fallenden Anträge unverzüglich bearbeiten wird.

 

Folgende Anträge fallen in die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts:

  • Mohammad Hassanzadeh
  • Soheil Hatamikia
  • Armin Jahanizadeh

 

Des Weiteren sind beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge folgende Anträge in Bearbeitung:

  • Mojtaba Darjazi
  • Arash Dosthossein
  • Hassan Hosseinzadeh

 

Trotz aller Erfolge und Rückschläge werden wir zehn Iraner weiterhin zusammen um die Anerkennung als politische Flüchtlinge und gegen die bayrische Asylpolitik kämpfen. Für die Begleichung der Anwaltskosten, die bei unserem immer auch juristisch geführten Kampf entstanden sind, brauchen wir noch dringend Spenden. Wir bitten um Unterstützung. Eine Spendendose findet sich am Infostand vor unserem Zelt, wo man auch unsere Petition an den bayrischen Landtag unterschreiben kann.

 

Vierzehnte Pressemitteilung seitens der hungerstreikenden iranischen Asylbewerber in Würzburg (Bayern, Deutschland)

 30.04.2012

 

 

Wir haben sorgfältig überdacht und beschlossen den Hungerstreik nun wiederaufzunehmen. Wir sehen uns gezwungen, den Protest gegen die Asylgesetzte und die menschenunwürdigen Bedingungen in dieser Form fortzuführen.

 

Der Hungerstreik ist ein politisches Mittel, die in Organisationen und Vereinen, sowie den Regierungen trotz der Radikalität als ein friedlicher Kampf und Protest bekannt ist. Uns ist wichtig klarzustellen: Wir wollen als politische Flüchtlinge anerkannt werden, nicht aufgrund des Hungerstreiks, sondern weil wir als politische Aktivisten im Iran und in Deutschland gegen das iranische Regime aktiv waren und sind.

 

Nach 17 Tagen unseres ersten Hungerstreiks fand ein Treffen mit Verantwortlichen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und der bayerischen Regierung statt. Aufgrund des Versprechens, nach zwei bis drei Wochen eine Antwort auf die Asylanträge zu erhalten, haben wir Vertrauen gezeigt und den Hungerstreik unterbrochen. Anschließend haben wir drei Wochen unseres kostbaren Lebens auf der Straße verbracht, um eine Antwort zu erhalten. Leider haben wir bisher keinerlei Reaktion der Verantwortlichen erhalten.

 

Da die Verantwortlichen des BAMF ihr Versprechen nicht eingehalten haben und entsprechende Politiker die Thematik weiterhin ignorierten, kämpfen wir weiter für unsere Ziele – die Anerkennung als politische Flüchtlinge und die Änderung bestehender Asylgesetze und menschenverachtender Bedingungen für Asylsuchende in Bayern und in Deutschland.

Wir treten Montag, den 30.04.2012 erneut und verschärft in den Hungerstreik. Die Antwort auf diejenigen Anträge, auf die sich die vereinbarte Frist von zwei bis drei Wochen bezog, blieb aus, so werden wir ab Montag ausschließlich Wasser zu uns nehmen.

 

 

Wir danken allen Unterstützern sehr für ihre Solidarität. Jedes gute Wort tut gut.

 

Die iranischen Flüchtlinge im Hungerstreik.

 

Unsere früheren Pressemitteilung kann man am Vierröhrenbrunnen lesen oder auf unserer Webseite.
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Kontaktpersonen: Masoud Hosinzadeh Tel: 17677009092

Shahnaz Morattab Tel:015774650186 / E-Mail: GUStreik@web.de

http://www.facebook.com/GUStreik http://gustreik.blogsport.eu

Dreizehnte Pressemitteilung seitens der streikenden iranischen Asylbewerber in Würzburg (Bayern, Deutschland)

25.04.2012
Bremen schafft Gemeinschaftsunterkünfte weitgehend ab!
Flüchtlingen haben gestern in Bremen zu einem großen Erfolg errungen: „Am Dienstag beschloss die Bremer Bürgerschaft, Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge stufenweise abzuschaffen. Stattdessen sollen Flüchtlinge nach spätestens drei Monaten in normalen Miet-Wohnungen leben dürfen. Diese drei Monate werden bleiben, denn nach Bundesgesetz ist das der Zeitraum, in dem AsylbewerberInnen in sogenannten „Erstaufnahmeeinrichtungen“ bleiben, bis eine erste Prognose vom Bundesamt für ihren Antrag vorliegt.“

http://www.taz.de/Bremen-schafft-Sammelunterbringungen-ab/!92136/
Das Bremer Beispiel zeigt, dass es den entsprechenden gesetzgebenden Organen auf Landesebene ohne Weiteres möglich ist einen großen Schritt Richtung Abschaffung der Gemeinschaftsunterkünfte zu gehen. Wir fordern daher den Bayerischen Landtag auf, diesem positiven Beispiel zu folgen und sich nicht weiter hinter der Bundesgesetzgebung, die vorgeblich jede Abweichung vom Status Quo untersagt, zu verstecken, sondern die vorhandenen Spielräume voll auszuschöpfen.
Um diesen Schritt des Bayerischen Landtags anzustoßen haben wir bereits am Montag den 23. April 2012 mit einer Pressekonferenz erfolgreich unsere Petition zur Verbesserung des Asylrechts für alle Flüchtling an den Bayerischen Landtag gestartet, die auch die Forderung nach der Abschaffung der Gemeinschaftsunterkünfte beinhaltet. Die Petition liegt derzeit rund um die Uhr am Pavillon am Unteren Markt zur Ratifizierung aus. Bei dieser Unterschriftenaktion handelt es sich um ein offizielles Verfahren, mit dem wir den Landtag dazu bewegen können sich tatsächlich mit unseren konkreten Forderungen befassen zu müssen. Unterschreiben können alle Personen die einen Wohnsitz in Bayern haben, unabhängig von ihrer Nationalität.
An dieser Stelle wollen wir uns bei allen Menschen bedanken, die uns seit dem 19. März 2012 mit ihrer Unterschrift auf der Solidaritätsliste (aktueller Stand 2500) und/oder der Resolution der Solidaritätsdemonstration vom 25. März (über 700 Unterschriften) unterstützt haben. Wir weisen darauf hin, dass auch diejenigen, die bereits an einer unserer Unterschriftenaktionen teilgenommen haben, die Petition an den Bayerischen Landtag unterzeichnen können.
Neben der Petition an den Bayerischen Landtag werden wir bald auch eine Online-Petition an den Bundestag richten. Wir hoffen durch dadurch auch einen Anstoß zur Abschaffung der Verankerung des Systems der Gemeinschaftsunterkünfte im Bundesrecht geben zu können.
Wir freuen uns außerdem auf die Kundgebung des DGB, die am 1. Mai um 11:00 Uhr, die in unmittelbarer Nähe zu unseren Pavillons ebenfalls am Unteren Markt stattfinden wird und laden alle Demonstranten herzlich ein unsere Petition zu unterschreiben. Wir hoffen, dass an diesem Tagauch die schwierige Situation von in Deutschland  Asylsuchenden thematisiert werden wird.
Spendenkonto: Manuel Brandenstein, Sparkasse Mainfranken Würzburg, BLZ: 79050000,
Konto: 47031729, Verwendungszweck: Iranischen Flüchtlinge im Streik.
Unsere früheren Pressemitteilungen kann man am Untern Mark bei den Pavillons lesen oder auf
unserer Facebook- oder Blogseite: http://www.facebook.com/GUStreik http://.gustreik.blogsport.eu
Kontaktpersonen: Masoud Hosinzadeh Tel: 0176 77009092, Shahnaz Morattab Tel: 01577 4650186

Petition nach Art. 115 BayVerf an den Bayerischen Landtag (vertreten durch die Landtagspräsidentin Barbara Stamm)

Wir sind zehn politische Flüchtlinge aus dem Iran, die in Deutschland um Asyl bitten, weil wir im Iran nicht weiter sicher Leben konnten.

Der Länderbericht Iran von Amnesty International (Stand 31.12.2010) beschreibt die Situation in unserem Heimatland folgendermaßen:
„Behörden hielten 2010 die drastischen Beschränkungen der Rechte auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit weiterhin aufrecht. Iranische und internationale Medien unterlagen einer weitreichenden Kontrolle, mit dem Ziel, iranischen Staatsbürgern den Kontakt zur übrigen Welt zu erschweren. Personen oder Gruppen, die den Anschein erweckten, als würden sie mit Menschenrechtsorganisationen oder persischsprachigen Medien im Ausland zusammenarbeiten, drohten Festnahme, Folter und Gefängnis. Regierungskritiker, Frauenrechtlerinnen, Personen, die sich für die Rechte von Minderheiten einsetzten, sowie andere Menschenrechtsverteidiger, Rechtsanwälte, Journalisten und Studierende wurden im Zuge von Massenverhaftungen oder anderweitig festgenommen und zu Hunderten inhaftiert. Folterungen und andere Misshandlungen an Gefangenen waren an der Tagesordnung und blieben straflos. Frauen wurden weiterhin durch die Gesetzgebung und im Alltag diskriminiert. Die Behörden räumten die Hinrichtung von 252 Personen ein, es gab jedoch glaubwürdige Berichte über mehr als 300 weitere Hinrichtungen. Die tatsächliche Gesamtzahl könnte sogar noch höher gewesen sein. Unter den Hingerichteten war mindestens eine Person, die zur Tatzeit noch minderjährig war. Es wurden Todesurteile durch Steinigung verhängt. Soweit bekannt wurden jedoch keine Steinigungen vollstreckt. Dagegen wurden Prügel- und Amputationsstrafen vermehrt ausgeführt.“

Diesen Zuständen im Iran, unter denen wir alle persönlich leiden mussten und die Art und Weise wie wir in Deutschland aufgenommen wurden, bedrücken uns sehr.

Hossein Bahraminzhad (33):
Sieben Monate lang habe ich mit Mohammed Rahsepar ein Zimmer geteilt. Am 29. Januar 2012 nahm er sich in unserem gemeinsamen Zimmer das Leben. Wir kamen beide aus der Stadt Shiraz. Dort habe ich mich als Student für Frauenrechte engagiert. Dann wurde ich aus der Universität ausgeschlossen und vom Geheimdienst verfolgt.

Davoud Safarniyai (31):
Im Iran herrscht ein undemokratisches menschenverachtendes Regime. Dies kann aber nicht frei ausgesprochen werden, weil auch keine Meinungsfreiheit besteht. Wer dies nicht beachtet, wird mit schwerster Folter und Todesstrafe bedroht. Auch ich musste ins Gefängnis, weil ich auf der Straße für meine Rechte einstand. Wenn ich von Anfang an einen guten Dolmetscher und einen Anwalt gehabt hätte, wäre ich in Deutschland nicht wie im Iran als Straftäter behandelt worden.

Abdolbaset Soleimani (28):
In meinem Land machten die Mullahs die Menschen zu Sklaven. Ich als Anwalt war bei der Verteidigung meiner Mandanten an die Scharia gefesselt. Ich hatte keine Wahl, denn menschenwürdige Gesetze gibt es dort nicht. Weil ich solche Gesetzte eingefordert habe, musste ich aus dem Iran fliehen. Seitdem habe ich meine Tochter nicht mehr gesehen.

Samander Laschkari (24):
Ali Chamene’i ist ein Diktator, der über alles im Iran entscheidet. Gegen ihn habe ich protestiert. Ich habe Angst davor, die wertvollsten Jahre meines Lebens durch ein endloses Asylverfahren zu verlieren.

Mojtaba Ghavitan Darjezi (22):
Ich bin in einem muslimischen Land geboren und wurde muslimisch erzogen. Mit zwölf Jahren entschloss ich mich Christ zu werden. Im Iran konnte ich meinen Glauben nicht offen leben. Schließlich bin ich geflohen und konnte mich in Deutschland endlich katholisch taufen lassen. Seit drei Jahren muss ich in der Gemeinschaftsunterkunft Würzburg mit sechs Menschen auf engstem Raum in einem Zimmer leben und kann mir keine eigene Wohnung nehmen.

Armin Jahanizadeh (26):
Im Iran musste ich viele schlimme Dinge erleiden, so wurde ich zum Beispiel im Gefängnis gefoltert. Mein Leben als Asylbewerber macht mich krank, weil es mich an meine Gefangenschaft im Iran erinnert. Wegen dieser Situation habe bereits einmal versucht, mir das Leben zu nehmen.

Soheil Hatamikia (21):
Ich wünsche mir einen Iran ohne Grenzen, Sexismus, Homophobie und Islamismus. Als Student wollte ich, dass dort die Todesstrafe abgeschafft wird und jeder auf die Straße gehen kann, um für seine Meinung einzutreten. Wie im Iran kämpfe ich jetzt auch in Deutschland jeden Tag für ein besseres Leben aller Menschen. Leider ist es mir, weil ich Flüchtling bin, seit zwei Jahren unmöglich mein Studium fortzusetzen.

Hassan Hosseinzade (34):
Ich war im Iran Beamter. Weil ich dort Regimegegner unterstützt habe, habe ich meine Arbeit verloren und musste fliehen. Auch in Deutschland habe ich mich für Demokratie und Menschenrechte eingesetzt. In Deutschland habe ich den Integrationspreises des Bayerischen Landtags und des Integrationsbeirats erhalten. Dennoch warte ich seit fünf Jahren auf meine Anerkennung als politischer Flüchtling. Seitdem konnte ich auch weder meine mittlerweile acht Jahre alte Tochter noch meine Frau sehen.

Arash Dosthossein (31):
Ich betreibe verschiedene politische Webblogs. Im Iran gibt es keine Meinungsfreiheit. Wegen meiner Blogs wurde ich verfolgt. Die Fläche meines Zimmers in der Gemeinschaftsunterkunft von drei mal drei Meter ist genauso beengt wie die Einzelzelle, in der ich im Iran eingesperrt war. Ein richtiges Privatleben stößt auf unüberwindbare bürokratische Hürden. Jeder Europäer hat das Recht sich frei zu bewegen. Nur weil ich Asylbewerber bin, ist meine Bewegungsfreiheit durch die Residenzpflicht extrem eingeschränkt.

Mohammad Hassanzadeh Kalali (33):
Ich habe im Iran wissenschaftliche Bücher, die den Islamismus kritisieren, aufbewahrt und an interessierte Personen weitergegeben. Weil ich diese Bücher zugänglich gemacht habe, musste ich den Iran verlassen. Ich interessiere mich sehr für die deutsche Literatur und Philosophie. Aber als Asylbewerber hat man keinen Anspruch auf gute Deutschkurse. In meinem Asylverfahren war die Sprache ein großes Problem für mich, weil nur für wenige Schritte Dolmetscher gestellt werden. Außerdem empfand ich es als große Schwierigkeit, meinen Asylantrag ohne Unterstützung eines Anwalts stellen zu müssen.

Aus diesen Erfahrungen mit dem deutschen Asylrecht heraus haben wir uns entschlossen, mit einem Hungerstreik in Würzburg auf die Situation von Asylbewerbern in Bayern aufmerksam zu machen.

Wir fühlen uns an den Rand der Gesellschaft gedrängt, genauso wie im Iran, und wollten die Lebensbedingungen von Asylbewerbern für alle Öffentlichkeit sichtbar in das Herz der Stadt Würzburg tragen.

Mit der folgenden Petition möchten wir nun auch unsere Lebensbedingungen dem bayerischen Landtag zur Kenntnis geben.

Wir bitten die Mitglieder des Landtages, den unten stehenden Forderungen zuzustimmen. Soweit diese nicht die Zuständigkeit des Freistaates betreffen, sondern die Bundes- oder andere Zuständigkeitsebenen, fordern wir die Staatsregierung dazu auf, sich aktiv bei den jeweils zuständigen Stellen für eine Umsetzung dieser Forderungen einzusetzen.

Unsere Forderungen lauten:

• Die Abschaffung des Systems der Gemeinschaftsunterkünfte und die dezentrale Unterbringung in Privatwohnungen (neben humanen Aspekten verweisen wir auf die Berechnungen des bayerischen Flüchtlingsrates, dass die dezentrale Unterbringung ist)

• Die Abschaffung der Residenzpflicht.

• Die Abschaffung der Praxis der Zuteilung von Essenspaketen.

• Die Einführung eines Anspruchs für jeden Asylbewerber auf einen Anwalt und einen zertifizierten Dolmetscher, die ihn von Beginn an in allen Stadien des Asylverfahrens unterstützen.

• Die drastische Verkürzung der Dauer der Antragsbearbeitung durch das Bundesamt für  Migration und Flüchtlinge.

• Die Einführung eines Anspruchs für alle Asylbewerber ab dem ersten Tag auf professionelle Deutschkurse.

• Die Möglichkeit, den eigenen Lebensunterhalt durch Arbeit zu sichern.

• Die Vereinfachung und Verkürzung des Verfahrens um eine Studienerlaubnis zu erhalten.

• Die Gewährung der freien Arztwahl.

• Die Möglichkeit der Familienzusammenführung (sowohl aus dem Ausland als auch im Inland)

Unsere Pressemitteilungen kann man am Unteren Markt bei den Pavillons lesen oder auf unserer
Facebook- oder Blogseite: http://www.facebook.com/GUStreik http://gustreik.blogsport.eu
Kontaktpersonen: Masoud Hosinzadeh Tel: 0176 77009092, Shahnaz Morattab Tel: 01577 4650186

Radio Corax: Radiointerview Podcast

Radio Corax (Halle): Radiointerview zur Situation iranischer Flüchtlinge in Würzburg

http://www.freie-radios.net/47807

Zwölfte Pressemitteilung seitens der iranischen Asylbewerber (Würzburg, Bayern, Deutschland)

Trotz teilweise erheblichen Belastungen für unseren Protest können wir für die nächste Woche zwei für uns bedeutende Ereignisse ankündigen. Aus diesem Anlass laden wir zu einer Pressekonferenz am Montag den 23. April 2012 um 10:00 Uhr am Unteren Markt.Wir haben immer betont, dass es uns bei unserem Protest auch um eine Verbesserung der Lebensverhältnisse aller Flüchtlinge und Asylsuchenden geht. Wir fordern daher weiter:

• Die Abschaffung des Systems der Gemeinschaftsunterkünfte.

•Die Abschaffung der Residenzpflicht.

• Die Abschaffung der Praxis der Zuteilung von Essenspaketen.

• Die Einführung eines Anspruchs für jeden Asylbewerber auf einen Anwalt und einenzertifizierten Dolmetscher, die ihn von Beginn an in allen Stadien des Asylverfahrensunterstützen.

• Die drastische Verkürzung der Dauer der Antragsbearbeitung durch das Bundesamt fürMigration und Flüchtlinge.

• Die Einführung eines Anspruchs für alle Asylbewerber ab dem ersten Tag auf professionelleDeutschkurse.

• Die Möglichkeit, den eigenen Lebensunterhalt durch Arbeit zu sichern.

• Die Vereinfachung und Verkürzung des Verfahrens um eine Studienerlaubnis zu erhalten.

• Die Gewährung der freien Arztwahl.

• Die Möglichkeit der Familienzusammenführung.

Zum einen werden wir daher am Montag bei der Pressekonferenz unsere bereits angekündigte Petition an den Freistaat Bayern vorstellen und offiziell mit dem Unterzeichnen beginnen. Wir zehn protestierenden Flüchtlinge aus dem Iran werden dabei als Erstunterzeichner auftreten und bitten alle Unterstützer und Interessierten in den folgenden zwei Wochen am Unteren Markt vorbeizukommen und ebenfalls die Petition zu zeichnen.Wir begrüßen den Besuch des Ersten Würzburger Oberbürgermeisters Rosental in der Gemeinschaftsunterkunft und laden ihn herzlich ein, am Montag um 10:00 Uhr zu unseren Pavillons am Unteren Markt zu kommen und mit uns die Petition an den Freistaat Bayern als Erstunterzeichner zu unterschreiben.An der Einrichtung einer Online-Petition an den Bundestag arbeiten wir weiter und werden auch diese in wenigen Tagen starten. Zum anderen wird uns am Montag unsere Anwältin besuchen. Diese Anwältin aus Karlsruhe hatte sich bereit erklärt, die sieben von uns im Asylverfahren rechtlich zu begleiten, die noch einen Anwalt benötigten. Wir haben die letzten Wochen intensiv zusätzliche Unterlagen für jeden einzelnen unserer Asylanträge zusammengetragen. Die Anwältin wird mit uns in Einzelgesprächen dasweitere Vorgehen für jedes individuelle Verfahren besprechen.Abgesehen davon konnten wir am Freitag den 20. April 2012 vor dem Verwaltungsgericht Würzburg einige der uns von der Polizei auferlegten Beschränkungen teilweise wieder aufheben lassen. Wir dürfen jetzt in den Pavillons zwei statt wie von der Polizei gefordert nur ein Bett aufstellen. Außerdem können wir jetzt auch wieder einen der beiden Pavillonteile vollständigschließen und beheizen, um uns gegen Kälte und Regen zu schützen. Darüber hinaus hat Verwaltungsgericht festgestellt, dass keine Beschränkung unserer Schlafdauer auf eine Stundedurchgesetzt werden darf. Es ist noch nicht abschließend geklärt, ob wir das Mannschaftszelt wieder aufstellen dürfen, das wir nutzen wollen, um der Öffentlichkeit einen Einblick in das tägliche Leben von Asylsuchenden zu gewähren, wie es sich in der Gemeinschaftsunterkunft abspielt.

Spendenkonto:Manuel Brandenstein,Sparkasse Mainfranken Würzburg, BLZ: 79050000,Konto: 47031729, Verwendungszweck: Iranischen Flüchtlinge im Streik.

Unsere früheren Pressemitteilungen kann man am Untern Mark bei den Pavillons lesen oder auf unserer Facebook- oder Blogseite: http://www.facebook.com/GUStreik www.gustreik.blogsport.eu

Kontaktpersonen: Masoud Hosinzadeh Tel: 0176 77009092, Shahnaz Morattab Tel: 01577 465018

 

FRN:Podcast zur Situation der iranischen Flüchtlinge in Würzburg

http://www.freie-radios.net/47807