Veröffentlichungen

Offener Brief an Simone Tolle von Arash Dosthossein

Liebe Simone Tolle,

für Ihren liebevollen, gefühlvollen und energischen Brief danke ich Ihnen ebenso wie für Ihre Kritik. Ich sah es als meine Pflicht an, Ihnen darauf zu antworten. Ich betone, dass es sich dabei um meine persönliche Meinung und meine individuelle Antwort handelt. Seit ich Sie das erste Mal in der ersten Phase unseres Streiks vor dem Rathaus gesehen habe, ist viel Zeit vergangen, in der Sie voller Liebe und Sorge um mein Leben und das meiner Mitstreiter um das Ende unseres Hungerstreiks gebeten haben. Ab diesem ersten Mal, als ich sie getroffen habe, habe ich Sie nicht als Politikerin gesehen, sondern als Mensch mit menschlichen und menschenfreundichen Gefühlen. Oft haben Sie uns besucht und uns Ihre Solidarität verkündet. Sie haben viel Zeit mit uns verbracht und viele gute Vorschläge für das Fortsetzen unseres Protestes gemacht. Sie und Matthias Grünberg, der regelmäßig viele Stunden bei uns gesessen hat, haben uns Zuversicht und Hoffnung geschenkt. Niemals vergesse ich die Nacht, in der Sie bis zum Morgen mit uns im Zelt ausgeharrt haben. In dieser Nacht wurde mir klar, dass Sie mit dieser Aktion weniger an politische Ambitionen gedacht haben, als unseren Protest unterstützt und mit uns gegen die unmenschliche Asylpolitik gekämpft haben. Sie erinnern sich, das während des Protestes im Mai meine Mutter, die ich viele Jahre nicht gesehen habe, gestorben ist. Sie haben mit mir gefühlt. Die ganze Unterstützung und Ihre Solidarität bedeuten mit viel und ich werde sie nicht vergessen. Ich bin mir sicher, das am Ende dieser politischen Aktion alle glücklichen und traurigen Momente für uns wertvolle Erinnerungen sein werden und ihr Scheitern oder Gelingen ist für uns alle ein politisches Zeugnis. Auch vor Ihrer Kritik an der neuen Form unseres Protestes habe ich sehr viel Respekt. Nicht nur, dass ich darüber nicht empört bin; vielmehr freue ich mich sogar darüber. Als Marxist und jemand, der an die Dialektik glaubt, weiß ich gut, dass jede These eine Antithese hat, und am Ende eine Synthese steht. Und als Materialist kann ich nicht mit metaphysischem Blick auf die Politik schauen; ich glaube daran, dass diese neue Form unseres Protests weder richtig noch falsch ist. Die Synthese dieser Aktion wird das zeigen. Bertolt Brecht sagt: wer kämpft kann scheitern, aber wer nicht kämpft hat schon verloren. Die Möglichkeit des Scheiterns ist unsere eigene Entscheidung. In dieser Aktion auf der Straße, da alle Erfahrungen während der Aktion gewonnen werden, ist alles möglich. Nur weil es auch die Möglichkeit des Scheiterns gibt, können wir auf Versuch und Irrtum nicht verzichten. Das ist der Ursprung des Menschen, durch den die Menschheit ins 21. Jahrhundert gelangt ist. Die heutige Welt mit allem Guten und Schlechten, allem Hässlichen und Schönen ist das Resultat eines historischen Versuchs und Irrtums. Aber meine Meinung über die neue Form des Protests ist, dass es sich um keine radikale Methode handelt, Radikalität ist viel mutiger und ehrwürdiger als unsere Bewegung hier. Holger Meins, der mit großem Mut sein Leben verloren hat, um in den 70er Jahren Deutschland vor die Frage nach den Menschenrechten zu stellen, ist ein Beispiel für Radikalität. Wenn es diesen Mut in mir gäbe, wäre ich im Iran geblieben und hätte dort Widerstand geleistet, anstatt zu fliehen. Aber meine Flucht bedeutet, dass ich leben will. Leben unter menschenwürdigen Bedingungen und mit Standards des 21. Jahrhunderts, nicht wie ein Sklave oder Gefangener. Neben mir ist die Frau, mit der ich mein Leben teilen möchte, in den Streik getreten. Trotz meiner Einwände hat sie sich für diesen Schritt entschieden und sich uns angeschlossen. Was glauben Sie warum? Weil wir für das Zusammenleben eine Genehmigung brauchen. Eine Genehmigung, die wir, weil wir nicht verheiratet sind, nicht bekommen haben. Die lächerliche und verachtentswerte Residenzpflicht hat uns das Zusammenleben unmöglich gemacht. Denken Sie darüber nach, im Europa des 21. Jahrhunderts, in Deutschland müssen zwei erwachsene Menschen für ihr Zusammensein um Erlaubnis bitten? Als Bürger zweiter Klasse bekommen sie eine solche Erlaubnis nicht. Wir müssen also als politische Flüchtlinge anerkannt werden, um das Recht auf ein normales Leben mit dem Menschen, den wir lieben, zu bekommen. Deshalb hat Mandana sich entschieden, hier bei mir zu sein. Für das Zusammensein gab es keinen anderen Weg. Liebe Simone Tolle, unsere Aktion ist nicht radikal. Es ist ein stiller Schrei, dass wir auch Menschen sind und nur wie Menschen leben wollen. Für uns alle muss geklärt werden, im freien Europa des 21 Jahrhunderts, ob das Leben eines Menschen wichtiger ist oder irgendwelche Papiere laut irgendwelcher Gesetze. Gesetze, die heute in der Regierung einer Partei gut sind, und in der Regierung einer anderen Partei schlecht. Sie haben sich in den letzten drei Monaten gut um uns gekümmert; haben an unseren Demonstrationen teilgenommen. Aber für die Verantwortlichen in der Asylpolitik tut es mir sehr leid, dass sie nicht einmal nachfragen, warum wir das getan haben. Liebe Simone Tolle, Sie und ich sind Teil einer der größten Bewegungen in der Asylpolitik in Europa. In sehr naher Zukunft werden wir alle Zeuge großer und wichtiger Ereignisse innerhalb dieser Bewegung in Deutschland werden. Die Ablehnung ihrer Bitte, meine Lippen zu öffnen, dürfen Sie nicht als Respektlosigkeit verstehen. Mein Nein-Sagen dürfen Sie nur sich selbst gegenüber als jugendlichen Leichtsinn deuten; ansonsten ist es eine politische Aktion. Ich will, dass Sie wissen, dass Sie mir und den anderen sehr wichtig sind. Aber für uns und die Öffentlichkeit muss sich zeigen, ob ein Menschenleben wichtiger ist oder die Bürokratie?

Ihr Freund Arash Dosthossein

 

Solidaritätserklärung der Karawane München mit den hungerstreikenden Flüchtlingen in Würzburg

Die Karawane München für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen unterstützt die Forderungen der hungerstreikenden Flüchtlinge in Würzburg uneingeschränkt und erklärt sich solidarisch mit selbstbestimmten Flüchtlingskämpfen, in Würzburg und anderswo! Wir unterstützen den Kampf der Hungerstreikenden gegen Lagerzwang, Residenzpflicht und Abschiebungen sowie für die Anerkennung als politische Flüchtlinge.

Die Situation von Flüchtlingen in der Gemeinschaftsunterkunft in Würzburg ist menschenunwürdig und unerträglich. Der iranischen Asylbewerbers Mohammad Rahsepar nahm sich im Januar dieses Jahres aus Verzweiflung darüber sein Leben. Bereits seit März befinden sich iranische Flüchtlinge in Würzburg im Hungerstreik, um auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam zu machen und gegen die unmenschliche Behandlung von AsylbewerberInnen zu kämpfen. Die verantwortlichen Behörden und PolitikerInnen stellen sich aber taub für die Forderungen der Flüchtlinge.

Wir haben Verständnis für die Verzweiflung der AsylbewerberInnen in Würzburg. Die Ausländerbehörde in Würzburg legt die ohnehin unzumutbare bayerische Asylgesetzgebung besonders restriktiv aus, was sich schon allein durch die konsequente Verweigerung von Residenzpflichtbefreiungen äußert. Den Flüchtlingen wird jegliche Möglichkeit zur Vernetzung genommen und sie werden bewusst isoliert. Dazu trägt auch die GU in Würzburg bei, die mit Stacheldrahtumzäunung und Zugangsbeschränkung die Flüchtlinge aus der Gesellschaft ausgrenzt.

Die menschenunwürdigen Lebensbedingungen der Flüchtlinge in Würzburg sind Ausdruck der rassistischen und menschenverachtenden Asylpolitik in Bayern, gegen die die Karawane München seit ihrem Bestehen kämpft.

 

Karawane München

Für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen!

Pressemitteilung von Kornelia Möller (MdB) vom Mittwoch, 13. Juni 2012

Verschärfter Hungerstreik der iranischen Flüchtlingen mit zugenähten Mündern.

Zum Hungerstreik der iranischen Flüchtlingen in Würzburg erklärt die bayerische Bundestagsabgeordnete Kornelia Möller (MdB): „Verzweiflung kann Menschen in Handlungentreiben, die die Gesundheit und das Leben gefährden, weil es für sie als das letzte Mittel scheint, um sich in dieser Gesellschaft Gehör zu verschaffen.“Seit März befinden sich iranische Flüchtlinge im Hungerstreik, um gegen ihre inakzeptable Lebenssituationzu protestieren. Ausgangspunkt war der Selbstmord des iranischen Flüchtlings Mohammad Rashepars im Würzburger Flüchtlingslager.„Wenn man Flüchtlinge im Lager in eine solch ausweglose Situation bringt, dass man sie in den Selbstmord treibt, dann muss an der gegenwärtigen Situation der Flüchtlinge etwas grundsätzlichund schnell verändert werden. Die iranischen Flüchtlinge, die sich jetzt im Hungerstreik befinden,wollen offensichtlich ihr Leiden lieber in die Öffentlichkeit tragen, anstatt verlassen und isoliert im Lager dahin zu vegetieren“, so Möller weiter. Erst der dramatische Suizid von Mohammad Rashepars und der anschließende Hungerstreik derzehn Iraner ermöglichte eine öffentliche Auseinandersetzung mit der deutschen und insbesonderemit der bayerischen Asylpolitik. Möller: „Erst das Engagement der Flüchtlinge und ihrer UnterstützerInnen hat die öffentliche Aufmerksamkeit auf die inakzeptablen Lebensumstände derFlüchtlinge gelenkt. In der Debatte wurde sowohl Solidarität mit den Flüchtlingen bekundet als auch rassistische und ausländerfeindliche Ressentiments in der Bevölkerung offenbar. Statt eine sachliche Auseinandersetzung mit dem existierenden Rassismus zu initiieren, beschränkte sich die Medienlandschaft darauf, offen rassistische Leserkommentare (teilweise) zu löschen und sie auf bedeutungslose Einzelfälle zu reduzieren.“Möller weiter: „Der radikalisierte Hungerstreik der iranischen Flüchtlinge mit zugenähten Mündern ist zweifellos ein letzter, verzweifelter Versuch, selbstbestimmt eigene Forderungen zu stellen und eigenständige Handlungsfähigkeit zu beweisen. Niemand, insbesondere kein in Deutschland lebenderMensch, der alle politischen und freiheitlichen Rechte genießt, kann sich anmaßen, darüber zu urteilen, welche Mittel Flüchtlinge in einer solch verzweifelten Situation anwenden dürfen. Hiermit möchte ich betonen, dass die Aktion der Flüchtlinge mit Erpressung oder Gewalt nicht gleichzusetzen ist. Sie ist vielmehr das Ergebnis der menschenverachtenden bayerischen Flüchtlingspolitik,die Menschen in eine so existentielle Verzweiflung treibt, ihr eigenes Leben als letzte Möglichkeit zu begreifen, politische Partizipation zu erzwingen, weil man ihnen eben jede andere Partizipation in der Gesellschaft verwehrt. Es liegt jetzt an der Stadt Würzburg, die Situation nicht zusätzlich zu eskalieren und den Flüchtlingen ihre Dauerkundgebung mit aller notwendiger Infrastrukturweiter in der Öffentlichkeit zu genehmigen. Es ist das demokratische Recht der Flüchtlingevon der Versammlungsfreiheit Gebrauch zu machen, solange sie dies für richtig und notwendig halten. Desweiteren ist es insbesondere die bayerische Regierung, die mit ihrer unmöglichen Flüchtlingspolitik Verantwortung für diese Eskalation trägt. Eine Abschaffung des Lagersystems,der Residenzpflicht und der Essenspakete ist dringend geboten, als erster Schritt hin zu einer menschenwürdigen Flüchtlingspolitik.“

Mit freundlichen Grüßen, Kornelia Möller (MdB)

Solidaritätserklärung von Magdeburger Aktivisten

27. Pressemitteilung der hungerstreikenden iranischen Fluechtlinge in Wuerzburg(Bayern)

 

Heute ist der 88.Tag unseres Protests – dreimal sind wir  in den Hungerstreik getreten. Die Regierung hat keinerlei Entgegenkommen bezüglich unserer allgemeinen Forderungen signalisiert; nur sechs von zehn Streikenden sind anerkannt worden.

Es geht nicht nur um uns dreizehn iranische Flüchtlinge. Wir sind die Stimme der Menschlichkeit und ihrer Werte. Die deutsche Regierung kann diesen Werten gegenüber nicht gleichgültig sein.

Vor zehn Tagen haben wir uns als Reaktion auf die Passivität der Regierung entschlossen, unsere Lippen zuzunähen, um den Verantwortlichen und der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, wie ernst es uns mit unseren Forderungen ist.

Der Hungerstreik dient dazu, den Prozess der Bearbeitung der Asylanträge zu beschleunigen,  nicht um Mitleid zu erregen.Die deutsche Regierung muss  ihrer Unterzeichnung der Genfer Konvention Rechnung tragen.

Bis gestern waren wir sieben Asylbewerber mit zugenähten Lippen. Mit dem Erhalt seiner Anerkennung hat Payam Rahoo sich entschlossen, seine Lippen zu öffnen und das Zelt verlassen.Heute hat sich uns ein weiterer Asylbewerber namens Mohsen Mashhadi aus Aschaffenburg mit zugenähnten Lippen angeschlossen.

Wir sind keine Masochisten. Diese Bewegung kann ebenso wenig  als Verrücktheit abgetan werden. Mit einem bloßen Unterbinden unseres Protests kann das allgemeine Problem der Asylpolitik nicht gelöst werden.

In den drei Monaten unseres Protests haben die Stadt Würzburg und die Polizei alle Register gezogen, um uns zu zermürben. Sie zwangen uns zum Schlaf in Schichten und haben die Auflagen im Zelt verschärft, um uns zu erschöpfen und unsere Rückkehr in die GU zu erzwingen.

Die Regierung und die Öffentlichkeit müssen wissen, dass wir Menschen sind, die in ihrer Heimat für Freiheit gekämpft haben. Wir werden dies auch hier und jetzt tun. Politische Aktivität ist keine Droge, die man sich abgewöhnen kann und Freiheit ist nichts, was wir vergessen können.

Wir werden unseren Protest fortsetzen – so wie wir es angekündigt haben.

Selbst wenn uns das Zelt genommen und es Steine vom Himmel regnen würde – wir setzen unseren Streik fort. Wir wollen unser Anliegen in aller Öffentlichkeit vortragen. Wir laden die Würzburger Bevölkerung ein, uns  am Zelt zu besuchen. Wir sind jederzeit offen für Ihre Fragen.

Unsere früheren Pressemitteilungen kann man am Dominikanerplatz lesen oder auf unserer Facebook- oder Blogseite unter http://www.facebook.com/GUStreik http://gustreik.blogsport.eu/ einsehen.Kontaktperson: Armin Jahanizadeh  0176/69355356 oder 0176/71080087

Solidaritätserklärung der Initiative Grenzenlos

Solidaritätsbekundung der Initiative Grenzenlos | Leipzig 11. Juni 2012

Solidarität mit den Flüchtlingen im Hungerstreik in Würzburg!

Seit Mitte März ist eine Gruppe iranischer Flüchtlinge in Würzburg mit kleineren Unterbrechungen im Hungerstreik. Sie kämpfen gegen Lagerunterbringung, Residenzpflicht, Abschiebung und für ein Bleiberecht. Mit andauernden Protestcamps zeigen sie seit dem 18. März Präsenz in der Würzburger Innenstadt und kämpfen dafür,ihre gesellschaftliche Isolation zu durchbrechen und Gehör zu finden. Am 4. Juni nähten sich zwei derHungerstreikenden die Münder zu und trugen den Protest damit auf eine neue Ebene. Am 6. Juni folgten ihnenzwei weitere.Wir sind die Stimme aller Asylbewerber, die ihr Recht einfordern. Wir haben laut geschrieen, aberniemand hat uns gehört. Jetzt haben wir unsere Lippen zugenäht, weil alles gesagt wurde.Diese Aktion ist so extrem, wie die Umstände, die die Streikenden dazu brachten. In Deutschland lebendeAsylbewerber*innen werden systematisch aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Sie sind gezwungen ingefängnisähnlichen Lagern, oftmals weit außerhalb von Städten, zu leben. Strenge Auflagen berauben sie ihrerBewegungsfreiheit und die finanzielle Unterstützung des Staates liegt weit unter dem gesetzlich festgeschriebenenExistenzminimum. Durch eine Ablehnung ihres Asylantrags werden die Asylbewerber*innen illegalisiert odermüssen mit stark befristeten Duldungen leben und ständig ihre Abschiebung fürchten.Die in Würzburg kämpfenden Flüchtlinge haben es satt, sich diese Ungleichbehandlung gefallen zu lassen, sie fordern:

• Die sofortige  Schließung der Gemeinschaftsunterkünfte. Das System der Gemeinschaftsunterkünfteschottet die Menschen von der Gesellschaft ab und ist für viele Selbstmorde und psychischeErkrankungen verantwortlich.

• Abschiebung in alle Länder müssen sofort gestoppt werden. Die Zusammenarbeit zwischen denRegierungen bei Abschiebungen ist trügerisch und beschämend und zahlreiche Menschen wurden so in den Tod geschickt.

• Die menschenunwürdige Residenzpflicht, die die individuelle und soziale Freiheit wie beiHaustieren die an der Leine geführt werden negiert, muss sofort abgeschafft werden.

• Schlussendlich fordern wir vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge unsere sofortigeAnerkennung als politische Flüchtlinge.

 

Wir erklären uns uneingeschränkt solidarisch mit den Forderungen der Flüchtlinge! Mit Entsetzen mussten wirjedoch feststellen, das ihr Protest durch zahlreiche zuvor solidarische Einzelpersonen und Gruppen diffamiertwird. Die Mittel seien zu radikal und der Schritt des Lippenzunähens mache „die Arbeit kaputt, die hier seit Jahrenfür sie betrieben wird.“ so bspw. Michael Koch, Vorsitzender des Freundeskreises für ausländische Flüchtlinge inUnterfranken. Doch nicht nur einzelne lokale Unterstützer*innen entsolidarisieren sich, auch große und wichtigeOrganisationen, wie PRO ASYL meinen die Schritte der Streikenden kritisieren zu müssen. Es stellt sich dieFrage, ob die Kritiker*innen von dieser selbstgewählten Aktionsform der Flüchtlinge überfordert sind oder sich inihrer paternalistischen Fürsprecher*innen-Rolle gestört fühlen.Die Kämpfenden haben sich bewusst für die provokante Aktion des Lippenzunähens entschlossen, da sie mit ihrenbisherigen Aktionen kein Gehör fanden. Damit machen sie ihre eigene Unhörbarkeit hörbar.Die Distanzierung der vermeintlicher Unterstüzer*innen-Gruppen disqualifiziert unliebsame Aktionsformen undist gerade in diesem Moment äußerst destruktiv. Gerade jetzt gilt es ein großes Bündnis zu schaffen, dass denProtest hörbar macht und den Forderungen der Kämpfenden Nachdruck verleiht. Eine breite antirassistischeBewegung lebt von vielfältigen Aktionsformen! In diesem Sinne rufen wir dazu auf, die kämpfenden Flüchtlingezu unterstützen und ihre Forderungen zu verbreiten!

Es gibt nichts mehr zu sagen, es wurde alles gesagt.Eine bessere Welt ist möglich, wir möchten ein Teil dieser Verbesserung sein.

Solidaritätserklärung von Teilnehmern/innen des NoBorder Camps 2012 Köln/Düsseldorf

Solidarität mit den hungerstreikenden iranischen Asylbewerbern in
Würzburg

Wir erklären hiermit unsere bedingungslose Solidarität. Eurer Kampf
ist eine Quelle der Inspiration, eure Entschlossenheit gibt uns Mut.
Eine bessere Welt ist möglich, ihr seid schon Teil dieser
Verbesserung. Nun ist es an uns, auch einen Teil beizutragen.

Einige Menschen aus dem Vorbereitungskreis des NoBorder Camps 2012
Köln/Düsseldorf

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Solidarity with the hunger-striking Iranian asylum-seekers in Wurzburg

Herewith we declare our unconditional solidarity. Your fight is a
source of inspiration, your determination encourages us.
A better world is possible, you are already a part of this
improvement. Now it is up to us, to also be a part of it.

Some people from the preparatory circle of the No Border Camp 2012
Cologne / Düsseldorf

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Solidarité avec les demandeurs d’asile iraniens à Würzburg qui sont en
grève de la faim

Par la présente nous tenons à exprimer notre solidarité
inconditionnelle. Votre lutte est une source de l’inspiration, votre
détermination donne le courage à nous.
Un meilleur monde est possible, vous êtes déjà la partie de cette
amélioration. Maintenant, c’est à nous de contribuer encore une partie.

Quelques gens du cercle de préparation du No Border Camp en 2012
Cologne / Düsseldorf

26. Pressemitteilung der hungerstreikenden iranischen Flüchtlinge in Würzburg(Bayern)

Wir setzen den Protest, den wir am 19. März in der Würzburger Innenstadt begonnen haben, mit dem Ziel der Verbesserung der Asylbedingungen fort und fordern unsere uneingeschränkte Anerkennung als politische Flüchtlinge.Heute, am 86. Tag unseres Protestes, am 11.06.2012 sind wie angekündigt drei weitere Asylbewerber/innen mit zugenähten Lippen in den Hungerstreik getreten. Außerdem trinken alle Hungerstreikenden von nun an ausschließlich Wasser.Bei den drei neu hinzugetretenen Asylbewerber/innen handelt es sich um Azhin Asadi aus Würzburg, Mehdi Sajadi aus Augsburg und Mandana Hemat Esfeh aus Bayreuth. Aktuell befinden sich 13 Personen in unserem Zelt am Dominikanerplatz.Der Zuwachs zu unserer Gruppe zeigt die breite Solidarität und verdeutlicht die Organisation und Kraft dieser Aktion. Wir werden unseren Streik auf der Straße fortsetzen, bis unseren Forderungen Rechnung getragen wurde.

– Die sofortige Schließung der Gemeinschaftsunterkünfte. Das System der Gemeinschaftsunterkünfte schottet die Menschen von der Gesellschaft ab und ist für viele Selbstmorde und psychische Erkrankungen verantwortlich.

– Abschiebung in alle Länder müssen sofort gestoppt werden. Die Zusammenarbeit zwischen den Regierungen bei Abschiebungen ist trügerisch und beschämend und zahlreiche Menschen wurden so in den Tod geschickt.

– Die menschenunwürdige Residenzpflicht, die die individuelle und soziale Freiheit wie bei Haustieren die an der Leine geführt werden negiert, muss sofort abgeschafft werden.

– Schlussendlich fordern wir vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge unsere sofortige Anerkennung als politische Flüchtlinge.

Die deutsche Regierung muss akzeptieren, dass ihre Asylpolitik zahlreiche Defizite aufweist. Wir glauben daran, dass sich die Bedingungen hin zum Menschlichen verbessern können  – eine bessere Welt ist möglich!

Unsere früheren Pressemitteilungen kann man am Dominikanerplatz lesen oder auf unserer Facebook- oder Blogseite unter http://www.facebook.com/GUStreik http://gustreik.blogsport.eu/ einsehen.Kontaktperson: Armin Jahanizadeh  0176/69355356 oder 0176/71080087

 

Fünfundzwanzigste Pressemitteilung der hungerstreikenden iranischen Flüchtlinge in Würzburg (Bayern)

Pressekonferenz am Freitag, 08.06.12, um 11 Uhr am Dominikanerplatz

Heute ist der 83. Tag unseres Streiks in Würzburg. Seit dieser Woche haben wir eine neue Streikform begonnen, vier von uns haben sich ihren Mund zugenäht und sind in Hungerstreik getreten.

Zwei der vier Streikenden sind seit dem ersten Streiktag dabei, zwei weitere sind neu dazugekommen. Aufgrund dieser neuen Streikform haben wir viele Reaktionen von Flüchtlingen aus anderen Gemeinschaftsunterkünften erhalten und viel Unterstützung erfahren. Gestern hatten wir telefonischen Kontakt zum Anwalt von Payam Rahoo, einem der Streikenden, der sich die Lippen zugenäht hat, und haben von ihm erfahren, dass Payam eine Anerkennung als Flüchtling hat.

Wir möchten nochmals unsere Ziele erklären und wieso wir uns entschieden haben, uns zur Erreichung dieser unsere Lippen zuzunähen, und laden deshalb alle Medien und Zeitungen zu einer Pressekonferenz am Freitag, den 08.06.12, um 11:00 Uhr am Pavillon am Dominikanerplatz ein.

Bis jetzt sind wir elf Flüchtlinge, die zusammen in der Würzburger Innenstadt streiken, wir haben jedoch Anfragen von vielen weiteren, die sich gerne beteiligen möchten. Jeden Tag wird unser Streik größer.

Unsere früheren Pressemitteilungen kann man am Dominikanerplatz lesen oder auf unserer Facebook oder Blogseite unter http://www.facebook.com/GUStreik, http://gustreik.blogsport.eu einsehen

Kontaktperson:

Armin Jahanizadeh 0176/69355356

Wer mag schon Radikale?

Wir, die Mitwirkenden,wollen hiermit Bezug nehmen auf den Artikel in der Mainpost vom 5.6.12  von Mainpost-Redakteur Max Koch

 

Wer mag schon Radikale?

Gute Nachrichten erfreuen das menschliche Gemüt, schlechte Nachrichten hingegen belasten uns und werfen unangenehme Fragen auf. Das Leid und Elend dieser Welt kennt man; zumindest aus dem Fernseher. Zum Glück kann man den ja ausschalten. Dem Unrecht und dem Elend tatsächlich ins Gesicht zu blicken, ja sogar  ins Gesicht blicken zu müssen, ist gelinde gesprochen unbequem.

Verzweiflung und Hoffnung trieben diese zehn Menschen ins Auge der Öffentlichkeit, in Würzburgs Fußgängerzone. Ihr Ziel ist es nicht die Sympathie der Anwohner zu gewinnen oder Freunde zu finden; nein, sie wollen ein Teil dieser Gesellschaft sein und ein menschenwürdiges Leben führen; so wie jeder von uns!

Da ihnen dies verwehrt wird, greifen sie zu den Mitteln, die einem friedlichen Menschen zur Verfügung stehen. Sie schaden mit der erneuten Verschärfung des Streiks nur sich selbst, und niemandem sonst! Ist es das was einen Radikalen ausmacht?

War der Mann der sich 1989 auf dem Platz des himmlischen Friedens alleine den Panzern entgegenstellte ein Radikaler? Waren die buddhistischen Mönche, die sich aus Protest gegen den Vietnam-Krieg selbst verbrannten, Radikale? War Jesus der für die Sünden der Menschen am Kreuz starb ein Radikaler? Wer mag schon Radikale?

Wer aber tatsächlich radikale Menschen – radikal gegenüber anderen – kennenlernen möchte, der sollte einen Tag am Zelt der Iraner verbringen oder die Kommentare auf der Internetseite der Mainpost lesen. Verbale Gewalt ist auch Gewalt, und diese Gewalt wird nicht auf sich selbst gerichtet. Aber natürlich ist es leichter Vorurteile gegenüber anderen zu haben, und andere Menschen zu missachten, als sich selbst und die Politik der eigenen Regierung in Frage zu stellen. Wer mag schon diese Radikalen?

Zum Glück denken nicht alle Menschen so radikal! Viele Würzburger zeigten auch ihre Verbundenheit und Solidarität. Dafür ein riesiges Dankeschön!